|
Phantasie Charaktere
Die Königskünderin rannte am Montag morgen durch die Stadt Aachen und kündigte lauthals die Ankunft des Königs Papodopolos an. Der Namenlecker Niesbert liess "Papodopulos" auf seiner Zunge zergehen und leckte sich genüsslich die Lippen. Als Marie, die Selbstschenkerin von der Ankunft vernahm, kaufte sie sich sofort viele schöne Dinge, die sie schon lange haben wollte. Der Hinterbringer Hans nahm das zum Anlass, dieses brühwarm dem Ehegemahl Maries zu erzählen. Josef der Tränenwärmer rieb seine Hände. Er wollte nämlich die Freudentränen darin sammeln, die bei der Ankunft des Königs geweint würden, sie erwärmen und in seinem Gesicht verteilen. Er hatte gehört, dass Tränen die Haut verjüngen. Simon der Geruchschmale, ein ganz dünnes Männchen, versteckte sich eiligst im Hühnerstall. Er wollte den König nicht mit seinem aussergewöhnlichen Gestank erschrecken. Hartwig der Leichenschleicher, der bei der Stadt angestellt war, um hinter den Särgen Verstorbener ohne Angehörige mit verzweifelter Miene herzuschleichen, machte sich auf einen ruhigen Tag gefasst, während Kasimir der Schönheitsmolch sich striegelte und bügelte und vom Spiegel nicht mehr wegkam. Er wollte heute der Schönste sein. Clothilde die Mannsprächtige rieb sich die Hände, heute würden bestimmt viele Junggesellen unterwegs sein, aber auch Ehemänner waren nicht zu verachten. Der Fehlredner Herrmann versuchte schon seit Stunden, seine Ansprache für den König fehlerfrei vorzutragen, es gelang ihm nicht, trotz grösster Anstrengung. Immer wieder schlichen sich merkwürdige Silben in die Sätze. Regina die Tischtuchtolle war in ihrem Element. Sie hatte noch viele bunte Tischtücher in ihrem Vorrat, aus ein oder zwei von ihnen würde sie sich ein wunderschönes Kleid nähen und damit vor dem König tanzen. Allerdings hatte sie nicht mit Minou der Mondkusine gerechnet. Die würde heute Nacht in einem strahlend gelben Gewand auftreten und heller leuchten als der Mond. Egon der Tückenfänger zog seine Filzpantoffeln an und machte sich auf den Weg, die überall kauernden Tücken zu suchen und in einem grossen Sack zu verstauen. Fritz der Pferdedunkle half ihm dabei, besonders nachts wurde er durch seine braune Farbe gut getarnt. Der Papiersäufer Egon sammelte noch schnell die Zeitungen vom Vortag und weichte sie in seiner mit Wasser gefüllten Badewanne ein, um sie am nächsten Tag nach all der Aufregung genüsslich zu schlürfen. Besonders die Bildzeitung mundete hervorragend. Leider fand er nicht viele Zeitungen, denn der Verschlepper Michael hatte schon vorher alle eingesammelt und im Wald versteckt. Karin die Sultansüchtige ärgerte sich, sie mochte keine Könige, schon gar nicht Papodopolos. Einzig Mathilde die Granitpflegerin machte sich keine Gedanken über den Königsbesuch. Sie hatte noch einen grossen Berg Steine im Vorgarten liegen, die sie bearbeiten und polieren musste. Therese die Sternklare hatte sich für einige Tage abgemeldet, der Wetterbericht versprach Regenwolken. So war die ganze Stadt in Aufruhr, nur wegen einem einfachen König Papodopolos, der den Beinamen "der Mannstolle" trug. Zum Glück wussten das die männlichen Bewohner Aachens nicht.
|