|
Eine wundersame Freundschaft Benedikt, ein Mann in nicht mehr ganz jungen Jahren, wollte sich im wohlverdientem Unruhestand mit etwas Sinnvollem beschäftigen. Er blätterte im Prospekt der VHS und fand: Yoga, genau, ein Yogakurs wäre das Richtige für ihn. Gesagt, getan. Gespannt freute er sich auf die erste Stunde und wartete nun , auf seiner Isomatte sitzend, zusammen mit den anderen auf die Yogin , die in Form eines wunderschönen weiblichen Wesens auftauchte. Sie sah so richtig yogimässig aus. Wilde, lockige, schwarze Haare standen ihr wirr vom Kopf und sie trug eine Art indisches Wickelkleid, dazu geflochtene Sandalen. Flüchtig blickte sie in seine Richtung, um dann sogleich einige aufmunternde Wort an die anderen Teilnehmer zu richten. Das war Benedikt nicht gewohnt und er fühlte sich vernachlässigt. Mochte sie ihn etwa nicht, lehnte sie ihn ab? Übrigens hieß das Wesen Patrizia. Die Stunde verging im Flug und es gefiel ihm, die Übungen, das Meditieren und überhaupt alles. Wenn nur Patricia nicht wäre, warum war sie so abweisend und tat, als gäbe es ihn nicht. Jedenfalls bildete er sich das ein. Er besuchte trotzdem weiterhin die Stunden, denn Yoga tat ihm gut, ganz beschwingt ging er danach jedesmal nach Hause. Manchmal wollte er aber einfach nicht mehr, er konnte partout nicht warm werden mit Patricia. Er beobachtete, dass die anderen Teilnehmer Patricia manches mal umarmten, und so gab er sich eines Tages einen Ruck und tat es den anderen gleich. War schon ungewohnt, und er stellte sich bestimmt dumm an dabei. Doch immer wieder machte er Pausen, ging nicht zu den Kursen und hatte oft Lust, das Handtuch zu schmeissen, obwohl ihm der Inhalt der Stunden sehr gut tat. Sein Selbstbewusstsein stieg enorm und er merkte, das Yoga wie für ihn geschaffen schien. Ein- bis zweimal im Jahr ging die ganze Gruppe zum Essen in ein Lokal und da schaute Benedikt jedesmal, dass er nur ja nicht in der Nähe von Patricia sitzen musste. Sicher wollte sie das auch nicht, und was sollte er überhaupt mit ihr reden? Aus diesem Grunde blieb er auch manchesmal dem Essen fern. Sah er Patricia in seiner Freizeit in der Ferne beim Laufen im Wald (da hatten sie wohl das gleiche Hobby) schlug er sofort eine andere Richtung ein, um ihr nur ja nicht zu begegnen. Irgendwann wurde es Benedikt zu dumm und er griff auf Altbewährtes zurück, immerhin hiess sein Lebensmotto, "ich schaffe alles". Ab da betete er jeden Abend vor dem Yogatag zum lieben Gott :"bitte lass mich ein entspanntes und normales Verhältnis zu Patrizia kriegen, wie zu allen anderen Frauen auch." Und siehe da, es half irgendwie. Jetzt war es ihm egal, ob sie ihn mochte oder nicht, sein Yoga liess er sich nicht vermiesen. Beim nächsten Essen setzte er sich sogar neben sie, und beide unterhielten sich wunderbar und intensiv, sodass er Patrizia sogar ganz nett fand. Er begleitete sie danach noch eine Strecke auf dem Heimweg und auch da mußte er feststellen, dass sie ja richtig lieb und sympathisch war. Sein Selbstbewusstsein stieg enorm und eines Tages freute er sich sogar riesig, als er Patrizia auf ihrem Waldlauf begegnete. Er rannte auf sie zu und sagte ihr :"Dich hat der Himmel geschickt!" Ihre Freude schien genauso gross und sie verabredeten sich zu einem gemeinsamen Lauf. Daraus wurden dann mehr und sie kamen sich durch ellenlange Gespräche, bei denen ihr beidseitiges Laufen oftmals in langsames Gehen wechselte, näher. Gott hatte Benedikts Gebete erhört. Aber was hat er daraus gemacht? Eine wunderbare Freundschaft, viel mehr als Benedikt jemals erbeten hatte.
|